Was sagst Du Deinem Kind, wenn Du die Vermutung hast, es ist von Mobbing betroffen? Wir hören immer wieder, wie schnell ein Tipp über die Lippen von Eltern geht, der gut gemeint ist, aber Situation nicht unbedingt verbessern muss.
Neue Perspektive
Einige der folgenden Sätze hast Du vielleicht auch selbst schon gehört oder gesagt. Das Ziel ist klar: Deinem Kind soll es möglichst schnell wieder besser gehen. Doch falsche Ratschläge beeinträchtigen das Vertrauen Deines Kindes in Erwachsene. Eine Intervention kann dadurch maßgeblich erschwert werden. Wir versuchen Dir deshalb eine neue Perspektive zu eröffnen und zeigen Dir, wie die folgenden Tipps von betroffenen Schüler:innen verstanden werden können.
„Mach lieber gar nichts, sonst wird alles noch schlimmer.“
Nichts zu unternehmen, wird die bisher anhaltende Mobbingsituation nicht plötzlich beenden. Im Gegenteil bleibt die betroffene Person in ihrer duldenden Rolle. Die Akteur:innen hingegen können weiterhin Macht ausüben und Anerkennung dafür von der Klasse erhalten.
„Wehr Dich doch einfach!“
Mobbingsituationen finden anders als Konflikte oder Streitsituationen in einem Ungleichgewicht zwischen Betroffenen und Akteur:innen statt. Dieses Ungleichgewicht ist zulasten Deines betroffenen Kindes. Es ist deshalb unmöglich für Dein Kind, sich allein erfolgreich allein zu wehren. Stattdessen ist Dein Kind auf Hilfe von außen angewiesen.
„Geh den Typen doch einfach aus dem Weg.“
Dein Kind muss die Lösung und den Weg dorthin selbst wollen und sich darauf einlassen. Nur dann kann eine Mobbingsituation erfolgreich gelöst werden. Möchte Dein Kind nicht, dass sich die Situation verändert oder lehnt einen bestimmten Lösungsweg ab, ist auf ein entsprechendes Handeln zu verzichten.
„Überleg doch mal, ob Du wirklich nichts getan hast.“
Dein Kind ist nicht verantwortlich dafür, Tag für Tag von anderen Schüler:innen fertig gemacht zu werden. Der Satz kann Scham bei Deinem Kind auslösen und es wird möglicherweise sogar die Schuld dafür, dass es unter Gewalt leidet, bei sich suchen.

„Sprich doch mal mit Deiner Klassenleitung.“
Die Lehrkraft über die Situation in Kenntnis zu setzen, ist meistens zu empfehlen. Wird in Anwesenheit des Kindes mit der Lehrkraft gesprochen, kann jedoch nicht offen über die Situation gesprochen werden, ohne dass sich Dein Kind noch schlechter und weniger wert fühlt.
Gemeinsame Wege finden
Die richtigen Worte zu finden, kann also schwierig sein. Dein Kind ist Expert:in für die Entscheidung, ob ein Weg hilfreich sein kann oder nicht. In Deiner Rolle als Elternteil kannst Du neue Wege aufzeigen. Am wichtigsten bleibt es aber, für Dein Kind da zu sein und ein offenes Ohr zu haben.