Für Eltern

Mein Kind wird gemobbt – so kannst Du Dein Kind zu Hause sicher begleiten 


Wenn Eltern bei ihren Kindern Anzeichen von Mobbing wahrnehmen, gerät vieles ins Wanken. Sorgen, Unsicherheit und der Wunsch, sofort etwas tun zu müssen, gehen oft Hand in Hand. Gleichzeitig tauchen viele Fragen auf. Habe ich etwas übersehen? Reagiere ich richtig? Sollte ich eingreifen oder erst abwarten? 

Mobbing ist für Kinder und Jugendliche eine erhebliche psychische Belastung. Es handelt sich nicht um eine einzelne Gewaltsituation, sondern um ein länger andauerndes Geschehen, das das Erleben eines Kindes oder einer jugendlichen Person tief beeinflussen kann. Gedanken, Gefühle, Verhalten und auch der Körper reagieren darauf. Für Eltern ist es besonders schwer, diese Veränderungen einzuordnen, weil Mobbing selten offen sichtbar ist und sich oft schleichend entwickelt. 

Dein Kind zu Hause bei Mobbing stärken

Im Mittelpunkt dieses Beitrags steht die Frage: Wie kannst Du Dein Kind zu Hause sicher begleiten? Eine hilfreiche Orientierung bieten dabei die sogenannten „5A“. Sie beschreiben fünf Grundhaltungen, die Eltern im Umgang mit von Mobbing betroffenen Kindern und Jugendlichen unterstützen können. Sie helfen, Beziehung zu halten, Sicherheit zu geben und Unsicherheit gemeinsam auszuhalten.

Viele Eltern stellen sich an dieser Stelle die Frage, warum ausgerechnet ihr Kind betroffen ist und ob bestimmte Kinder häufiger von Mobbing betroffen sind. Diese Frage ist verständlich und braucht eine klare Einordnung, die entlastet und nicht nach Schuld sucht. 

Wer ist in der Schule von Mobbing betroffen?
Eine Mutter legt den Arm um ihre Tochter, die auf einem Bett sitzt und traurig ihren Kopf auf ihre Beine legt.
Hinweis zur Transparenz: Dieses Bild ist KI-generiert.

Aufmerksamkeit

Veränderungen wahrnehmen und ernst nehmen

Begleitung beginnt häufig lange bevor Kinder oder Jugendliche offen über Mobbing sprechen. Viele Eltern nehmen zunächst Veränderungen wahr. Das eigene Kind zieht sich zurück, wirkt schneller gereizt, schläft schlechter oder verliert die Freude an Dingen, die früher wichtig waren. Jugendliche reagieren oft mit Abgrenzung oder Rückzug, jüngere Kinder eher mit körperlichen Beschwerden oder starken Stimmungsschwankungen.

Aufmerksamkeit bedeutet nicht Kontrolle. Es geht nicht darum, jedes Verhalten zu deuten oder zu überwachen. Wichtig ist, Veränderungen im Vergleich zu früher wahrzunehmen und innerlich ernst zu nehmen. Auch kleine Signale können Hinweise darauf sein, dass Kinder oder Jugendliche unter Druck stehen.

Zur Aufmerksamkeit gehört auch der Blick auf Dich selbst. Eigene Sorgen, Hilflosigkeit oder Überforderung sind verständlich. Sie wahrzunehmen hilft, besonnen zu bleiben und nicht aus Angst oder Aktionismus zu handeln.

Ansprechen

Interesse zeigen und nachfragen

Der Schritt, wahrgenommene Veränderungen anzusprechen, fällt vielen Eltern schwer. Die Sorge, etwas falsch zu machen oder das Kind zu verschließen, ist groß. Hilfreich ist es, Gespräche bewusst zu rahmen. Ein ruhiger Moment, ein sicherer Ort und ausreichend Zeit können den Unterschied machen.

Beim Ansprechen geht es nicht darum, Antworten zu erzwingen. Stattdessen hilft es, mit Ich-Botschaften und konkreten Beobachtungen zu beginnen. Offene W-Fragen signalisieren Interesse und laden zum Erzählen ein, ohne Druck aufzubauen.

Was Gespräche oft erschwert 

Viele Eltern reagieren in belastenden Situationen mit gut gemeinten Ratschlägen und schnellen Maßnahmen. Warum solche Reaktionen häufig nicht helfen und Gespräche sogar erschweren können, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst. Schau ihn Dir unbedingt an, um die häufigsten Don’ts im Gespräch mit von Mobbing betroffenen Kindern und Jugendlichen kennenzulernen. 

Was Du unbedingt vermeiden solltest

Manche Kinder und Jugendliche reagieren zunächst ausweichend oder schweigen. Das ist kein Zeichen von Ablehnung. Auch Schweigen kann ein Ausdruck von Überforderung sein. Wichtig ist, zu vermitteln, dass Dein Gesprächsangebot bestehen bleibt und nicht an eine bestimmte Reaktion geknüpft ist.  

Akzeptanz

Den Ist-Zustand gemeinsam aushalten

Akzeptanz ist für viele Eltern besonders herausfordernd. Sie bedeutet nicht, Mobbing hinzunehmen oder nichts verändern zu wollen. Akzeptanz heißt, den aktuellen Zustand anzuerkennen, ohne ihn sofort korrigieren zu müssen. 

Kinder und Jugendliche, die von Mobbing betroffen sind, erleben oft widersprüchliche Gefühle. Wut, Traurigkeit, Scham oder Rückzug können nebeneinander bestehen. Akzeptanz zeigt sich darin, diese Gefühle nicht zu bewerten oder kleinzureden. Es geht darum, gemeinsam auszuhalten, dass es gerade schwer ist. 

Manchmal bedeutet Begleitung auch, Stille auszuhalten. Nicht jedes Gespräch braucht sofort Antworten. Manche Kinder und Jugendliche brauchen Zeit, um Worte zu finden oder überhaupt zu spüren, was in ihnen vorgeht. Zeit zu geben ist kein Aufgeben, sondern ein Zeichen von Vertrauen. 

Wichtig ist außerdem, das Kind nicht auf die Belastung zu reduzieren. Auch wenn Mobbing gerade viel Raum einnimmt, bleibt Dein Kind eine ganze Person mit Stärken, Interessen und Bedürfnissen. 

Authentizität

Du musst keine Lösungen parat haben

Viele Eltern verspüren den Druck, stark sein zu müssen. Sie glauben, Sicherheit geben zu müssen, indem sie Lösungen präsentieren. Dabei ist es entlastend zu wissen, dass Du nicht alles wissen und nicht alles können musst. 

Authentisch zu sein bedeutet, ehrlich mit den eigenen Gefühlen umzugehen. Es ist in Ordnung zu sagen, dass Dich die Situation traurig macht oder dass Du selbst unsicher bist. Kinder und Jugendliche spüren sehr genau, ob Erwachsene eine Rolle spielen oder echt bleiben. 

Authentizität heißt auch, nicht vorschnell in eine Helfenden-Rolle zu rutschen. Begleitung ist kein Reparieren. Oft ist es ausreichend, da zu sein, zuzuhören und auszuhalten, dass es noch keine Antworten gibt. 

Aufzeigen von Optionen

Gemeinsam Möglichkeiten sichtbar machen

Wenn ein Kind sich gesehen und ernst genommen fühlt, kann es hilfreich sein, über Möglichkeiten zu sprechen. Dabei geht es nicht darum, Entscheidungen vorzugeben oder Druck aufzubauen. Es geht darum, Optionen sichtbar zu machen und gemeinsam zu überlegen, was entlastend sein könnte.

Das kann bedeuten, über Unterstützung innerhalb oder außerhalb der Familie zu sprechen, über Vertrauenspersonen oder über Beratungsangebote. Wichtig ist, dass Dein Kind spürt, nicht allein zu sein und dass es verschiedene Wege geben kann.

Optionen aufzuzeigen heißt auch, vorsichtig Hoffnung zuzulassen, ohne Versprechen zu machen. Veränderungen sind möglich, sie brauchen jedoch Zeit, Unterstützung und Zusammenarbeit. 

Wenn Du Dir Sorgen um suizidale Gedanken machst

Manche Kinder und Jugendliche äußern im Zusammenhang mit Mobbing Gedanken an Tod oder daran, nicht mehr leben zu wollen. Solche Aussagen oder Andeutungen sollten immer ernst genommen werden. Um besser einschätzen zu können, wie dringend die Situation ist, können folgende Fragen Orientierung geben:

  1. Gibt es Hinweise auf eine Suizidabsicht? 
    Hat Dein Kind aktuell Gedanken an Tod, Sterben oder Selbsttötung geäußert oder angedeutet? 
  2. Gibt es konkrete Vorstellungen oder Vorbereitungen? 
    Hat Dein Kind darüber gesprochen, wie oder wann es sich etwas antun könnte, oder wurden bereits Mittel gesammelt oder vorbereitet? 
  3. Wirkt Dein Kind innerlich stark eingeengt oder hoffnungslos? 
    Kreisen die Gedanken ständig um das Thema, wirkt die Situation ausweglos und können keine Alternativen mehr gesehen werden? 

Wenn Du den Eindruck hast, dass Dein Kind akut gefährdet sein könnte, sprich es offen an und hole Dir sofort Unterstützung. Dein Kind selbst kann sich in einer akuten Krise auch jederzeit an das Team von Krisenchat wenden. 

Im Notfall wende Dich bitte an den Notruf 112. 
Du musst diese Situation nicht allein tragen. 

Was gute Begleitung von Dir als Bezugsperson bedeutet

Begleitung bedeutet nicht, alles richtig zu machen. Sie bedeutet, da zu bleiben, auch wenn Unsicherheit bleibt. Die „5A“ können Dir Orientierung geben. Sie laden dazu ein, Beziehung in den Mittelpunkt zu stellen und Schritt für Schritt vorzugehen. 

Wenn Kinder und Jugendliche sich zu Hause sicher begleitet fühlen, entsteht oft erst der Raum, um weitere Schritte zu denken. Lösungen im schulischen Kontext brauchen Vorbereitung, Zusammenarbeit und Zeit. Eine stabile Beziehung zu Hause ist dafür eine wichtige Grundlage. 

Hinweis zur Transparenz: Das Vorschaubild ist KI-generiert.

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