Wie viele Kinder und Jugendliche gehen jeden Tag zur Schule, obwohl sie sich dort nicht sicher fühlen? Wahrscheinlich mehr als wir denken. Denn Mobbing ist die häufigste Form von Gewalt an deutschen Schulen und bleibt dennoch oft unsichtbar. Dabei ist es einer der zentralsten Risikofaktoren für emotionale Probleme, Verhaltensauffälligkeiten und weitere psychische Folgen.
Quick Facts
Fast jede:r siebter Jugendliche ist von Mobbing betroffen (14 %) (HBSC-Studie, 2022)
Jede:r vierte:r Schüler:in bleibt mit der Situation allein (23-25%) (SINUS-Jugendstudie, 2024/2025)
Jede:r fünfte:r Schüler:in ist mehrmals im Monat von Gewalt betroffen (11,56 %)
Mehr als jede:r zweite Schüler:in nimmt Mobbing in seinem Umfeld wahr (61%) (Aktion Mensch, 2025)
Jede:r dritte:r Schüler:in ist durch Mobbing dauerhaft belastet (33 %) (Cyberlife-V-Studie, 2024)
(Cyber-)mobbing unter Kindern und Jugendlichen findet zu 80 % innerhalb der Schule statt (Cyberlife-V-Studie, 2024)
Wie viele Schüler:innen sind von Mobbing betroffen?
Der Begriff Mobbing begegnet einem heute überall. In Gesprächen, den Medien und im Schulalltag reden wir schon fast selbstverständlich darüber. Trotzdem bleibt oft unklar, was genau damit gemeint ist und wo Mobbing eigentlichbeginnt. Auch in der Forschung ist nicht eindeutig festgelegt, ab wann davon gesprochen wird. Im Vergleich zu anderen Themen ist Mobbing noch ein recht junges Feld und bis heute gibt es keine einheitliche Definition.
Mehr zur Definition von MobbingDennoch ist man sich schnell über eine Sache einig: Gewalt ist kein seltenes Phänomen. Für viele Schüler:innen gehört sie zum Alltag und in nahezu jeder Klasse gibt es Kinder und Jugendliche, die über längere Zeit hinweg betroffen sind.
Die aktuellen Zahlen machen das greifbar. Laut der 2022 veröffentlichten PISA-Studie der OECD ist jede:r sechste:r Schüler:in von Mobbing betroffen, währender mehr als jede:r zweite:rJugendliche:r mit solchen Situationen in der Schule vertraut ist (SINUS-Jugendstudie, 2024/2025). Auch aus der Sicht der Lehrkräfte wird der Eindruck deutlich, denn fast jede:rZweite:r berichtet von einer Zunahme von Gewalt im Schulalltag (DGUV, 2023). Gerade weil das Thema so präsent ist, lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn hinter den Zahlen stehen echte Erfahrungen, die langfristige Spuren im Leben der Betroffenen hinterlassen.

Wo findet Mobbing statt?
Mobbing passiert oft genau dort, wo sich Kinder und Jugendliche eigentlich sicher fühlen sollten: im Klassenzimmer, auf dem Flur, in den Pausen. Über 80 % der Fälle finden in der Schule statt, häufig stammen die Mobbenden aus der eigenen Klasse (Aktion Mensch, 2025). Die Beteiligten kennen sich also, sie sitzen und arbeiten zusammen und sehen sich täglich. Dabei lässt sich das an allen Schulformen und allen Geschlechtern wahrnehmen.

Zeitgleich endet es für viele nicht nach dem Schulschluss. Ein Blick in die derzeitige Studienlage zeigt, dass Plattformen wie WhatsApp, TikTok oder Instagram eine immer größere Rolle spielen. Was in der Klasse passiert, taucht für mehr als jede:n Zweite:n zunehmend online wieder auf (Cyberlife-V-Studie, 2024). In diesem Zusammenhang wird immer häufiger über Cybermobbing gesprochen. 62 % der Jugendlichen haben bereits Erfahrungen hiermit gemacht und entweder selbst erlebt oder beobachtet (SINUS-Jugendstudie, 2024/25).
Auch wenn Mobbing häufiger im Schulalltag stattfindet, wird es für 15 % der Betroffenen im digitalen Raum weitergeführt und verliert nicht an Präsenz (HBSC-Studie, 2022). Umso wichtiger ist es, Kinder und Jugendliche darin zu unterstützen, soziale Medien bewusst und verantwortungsvoll zu nutzen.
Was bedeuten diese Zahlen für die Betroffenen?
Wenn man sich diese Zahlen anschaut, geht es schnell nicht mehr um Statistiken. Für viele Betroffene bleibt Mobbing nicht einfach in der Schule zurück, sondern wirkt weiter im Alltag, im Selbstbild, im Gefühl von Sicherheit und in Beziehungen zu anderen.
Dass das nicht folgenlos bleibt, zeigen auch aktuelle Daten. Laut dem Deutschen Schulbarometer sind über 3,5 Millionen Kinder und Jugendliche von psychischen Problemen betroffen. Studien belegen, dass Mobbingerfahrungen dabei in engem Zusammenhang mit solchen Belastungen stehen und das Risiko depressiver Erkrankungen deutlich erhöhen.
So erkranken etwa 5-12 % aller Jugendlichen an einer Depression, rund ein weiteres Sechstel konsumiert Alkohol oder Tabletten und rund ein Viertel berichtet von Suizidgedanken (Cyberlife-V-Studie, 2024, Deutsche Depressionshilfe).


Die Auswirkungen reichen damit weit über einzelne Situationen hinaus. Sie betreffen nicht nur das persönliche Wohlbefinden, sondern auch Bildung, Teilhabe und langfristige Lebenswege, die jede:n dritte:n Betroffene:n dauerhaft belasten (Cyberlife-V-Studie, 2024). Gleichzeitig entstehen daraus erhebliche gesellschaftliche Kosten: Allein in Deutschland belaufen sich die direkten und indirekten Folgen psychischer Erkrankungen auf rund 147 Milliarden Euro pro Jahr. Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren nicht nur verstärkt, sondern lässt sich auch auf die zunehmende Bedeutung von (Cyber-)Mobbing zurückführen (OECD-Studie, 2024).
Gleichzeitig zeigt sich hier viel Luft nach oben. Obwohl die Auswirkungen so weitreichend sind, fließt bislang nur ein vergleichsweise kleiner Teil von 4,8 % der Gesundheitsausgaben in Prävention (Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit). Dabei ist gut belegt, dass genau hier ein entscheidender Unterschied gemacht werden kann. Denn so hoch der Betroffenheitsgrad ist, so deutlich wird auch, wie viel Potenzial in wirksamen Mobbingpräventionen steckt.
Welche Erkenntnisse gewinnen wir durch unsere Arbeit an Schulen?
Vieles passiert im Verborgenen und wird im Schulalltag nicht immer sofort erkannt oder benannt. Genau hier setzen wir an. Durch anonyme Umfragen bekommen Schüler:innen die Möglichkeit, ehrlich zu berichten, ohne bewertet zuwerden. So entsteht ein klares Bild davon, was in den Klassen tatsächlich passiert und wo Unterstützung gebraucht wird. Dabei zeigt sich immer wieder ein ähnliches Muster: Sobald Schüler:innen besser verstehen, was Mobbing ausmacht, verändert sich auch ihr Umgang damit. Nach unseren Projekten können mehr als doppelt so viele Schüler:innen Mobbing klar benennen wie zuvor. Gleichzeitig wächst das Vertrauen in die eigene Handlungsmöglichkeit und das Gefühl von Hilflosigkeit nimmt ab. Diese Veränderungen zeigt sich auch nach unseren Projekten.
34 %
weniger Mobbing nach unserem Präventionsprogramm.
38 %
mehr Schüler:innen, die glauben, dass andere ihre Gefühle verstehen.
32 %
mehr Schüler:innen, die nie oder selten Streit sehen.
20 %
weniger Schüler:innen mit dem Gefühl von Hilflosigkeit.
Fast 80 % sprechen selten oder nie darüber und jede:r Sechste:r hat sich nach dem Mobbing nie jemanden anvertraut (Aktion Mensch, 2025). Auch wenn Schulen mittlerweile mehr Angebote zu dem Thema einrichten, empfinden 43 %der Schüler:innen diese Maßnahmen für nicht ausreichend (Cyberlife-V-Studie, 2024). Bei jedem Zweiten beginnt es schon dabei, dass sich die Programme nicht hilfreich anfühlen (SINUS-Jugendstudie, 2024/25). Umso wichtiger ist es, Räume zu schaffen, in denen sich Schüler:innen gesehen fühlen und sie wirklich erreichen.
Wie können Lösungen geschaffen werden?
An vielen Schulen ist also schon mehr da, als man auf den ersten Blick sieht. Viele der Schüler:innen haben den Wunsch zu lernen, wie man Mobbing stoppt, Kämpfen aus dem Weg geht und Konflikte mit Mitschüler:innen besser löst. Die meisten haben auch schon Ideen, wie man reagieren könnte, trauen sich aber noch nicht oder wissen nicht genau wie.

Wir knüpfen mit unseren Projekten genau an dieses bereits vorhandene Potenzial an. Wir erleben immer wieder, dass die Schüler:innen bereits ein großes Interesse und erste Kenntnisse zu dem Thema mitbringen, auch ihre Beobachtungen aus unterschiedlichen Rollen stammen.
Gemeinsam entwickeln wir dann Lösungen, die schnell und unkompliziert umgesetzt werden können und sich an den Situationen orientieren, die sie tatsächlich erleben. Verbesserungen können schließlich nur dann erfolgreich und nachhaltig gelingen, wenn sie von allen Beteiligten getragen werden.
Quellenverzeichnis
Cyber-Life-V-Studie, 2024
Bündnis gegen Cybermobbing e. V.. (2024). Cyberlife V: Spannungsfeld zwischen Faszination und
Gefahr – Cybermobbing bei Schülerinnen und Schülern: Fünfte empirische
Bestandsaufnahme bei Eltern, Lehrkräften und Schüler/-innen in Deutschland. BARMER. https://buendnis-gegen-cybermobbing.de/wp-content/uploads/2024/10/Cyberlife_Studie_2024_Endversion.pdf
„Health Behavior in School-aged Children (HBSC)“-Studie, 2022
Robert Koch-Institut. (2024). Health Behaviour in School-aged Children (HBSC) – Die internationale Kinder- und Jugendgesundheitsstudie in Deutschland. Journal of Health Monitoring, 9(1). https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/Journal-of-Health- Monitoring/GBEDownloadsJ/JHealthMonit_2024_01_HBSC.pdf?_ _blob=publicationFile&v=6
Aktion Mensch, 2025
Aktion Mensch e. V. (2026). Mobbing von Jugendlichen 2026.https://bestellservice.aktion- mensch.de/assets/files/AM_Studie_Mobbing-von-Jugendlichen_2026.pdf
SINUS-Jugendstudie 2024/2025
SINUS-Institut. (2024). Ergebnisse einer Repräsentativ-Umfrage unter Jugendlichen 2024/2025:
Cyber-Mobbing. BARMER. https://www.sinus-institut.de/media/pages/media-center/ studien/barmer-jugendstudie-2024-25/ada75998e3-1742803601/ jugendbericht-2024_2025_teilbericht-cybermobbing.pdf
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV), 2023
Illhardt, J. (2025, 10. September). Gewalt unter Schülerinnen und Schülern – Ergebnisse einer
Umfrage unter Lehrkräften. DGUV Forum. https://forum.dguv.de/ausgabe-1-2025/gewalt- unter-schuelerinnen-und-schuelern-ergebnisse-einer-umfrage-unter-lehrkraeften/
Deutsche Depressionshilfe
https://www.deutsche-depressionshilfe.de/wissen/depression-in-verschiedenen-lebenslagen
OECD-Bericht „Health at a Glance: Europe“, 2024
Oecd & Commission, E. (2024). Health at a Glance: Europe 2024. In Health at a glance. Europe.
https://doi.org/10.1787/b3704e14-en
Deutsches Schulbarometer, 2024
Deutsches Schulbarometer, COPSY-Längsschnittstudie von 2020 bis 2024, Meta-Studie von 192 epidemiologischen Studien von Solmni et al. 2022 sowie Querschnitttsstudie von Kieling et al. 2024
Kaman, A., Erhart, M., Devine, J., Napp, A., Reiß, F., Behn, S. & Ravens-Sieberer, U. (2025).
Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Zeiten globaler Krisen: Ergebnisse der COPSY-Längsschnittstudie von 2020 bis 2024. Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung
Solmi, M., Radua, J., Olivola, M., Croce, E., Soardo, L., De Pablo, G. S., Shin, J. I., Kirkbride, J. B., Jones, P., Kim, J. H., Kim, J. Y., Carvalho, A. F., Seeman, M. V., Correll, C. U. & Fusar Poli, P. (2021). Age at onset of mental disorders worldwide: large-scale meta-analysis of 192 epidemiological studies. Molecular Psychiatry, 27(1), 281–295. https://doi.org/ 10.1038/s41380-021-01161-7
Kieling, C., Buchweitz, C., Caye, A., Silvani, J., Ameis, S. H., Brunoni, A. R., Cost, K. T., Courtney, D. B., Georgiades, K., Merikangas, K. R., Henderson, J. L., Polanczyk, G. V., Rohde, L. A., Salum, G. A. & Szatmari, P. (2024). Worldwide Prevalence and Disability From Mental Disorders Across Childhood and Adolescence. AMA Psychiatry, 81(4), 347. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2023.5051