Für Eltern

Die häufigsten Don’ts im Gespräch mit von Mobbing betroffenen Kindern und Jugendlichen 


Wenn Eltern merken, dass ihr Kind möglicherweise von Mobbing betroffen ist, entsteht häufig ein innerer Druck. Viele wollen verstehen, was passiert ist, und gleichzeitig alles tun, damit es dem Kind besser geht. Gespräche spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie sind oft der erste Ort, an dem Kinder ihr Erleben teilen können. Gleichzeitig sind diese Gespräche emotional aufgeladen und für beide Seiten herausfordernd. 

Mobbing ist für Kinder und Jugendliche eine erhebliche psychische Belastung. Wer betroffen ist, erlebt häufig Angst, Ohnmacht oder Scham. In dieser Situation können gut gemeinte Reaktionen von Erwachsenen ungewollt verletzend wirken. Bestimmte Gesprächsmuster tauchen dabei immer wieder auf. Sie entstehen nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus Sorge, Hilflosigkeit oder dem Wunsch, das eigene Kind zu schützen. 

Mutter und Tochter sitzen zusammen an einem Tisch. Die Tochter stützt ihren Kopf auf ihre Hand und schaut traurig, während die Mutter in einer schimpfenden, belehrenden Position ist,

Hinweis zur Transparenz: Dieses Foto ist KI-generiert.

Vorwürfe und Bewertungen 

Vorwürfe entstehen oft in Momenten, in denen Eltern versuchen, die Situation einzuordnen oder zu verstehen. Etwa wenn ein Kind nach der Schule berichtet, dass es wieder ausgegrenzt wurde, und Erwachsene nachfragen, warum es nicht einfach weggegangen ist oder sich anders verhalten hat. Auch Hinweise darauf, dass das Kind sensibel reagiere oder Dinge zu ernst nehme, gehören dazu. 

Für betroffene Kinder fühlt sich das häufig so an, als würde ihr Erleben bewertet oder angezweifelt. Statt Unterstützung entsteht das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Viele Kinder ziehen sich dann zurück oder erzählen beim nächsten Mal weniger. Bewertungen können ungewollt vermitteln, dass das Problem beim Kind selbst liegt und nicht bei dem belastenden Geschehen. 

Bagatellisieren und Generalisieren 

Bagatellisierende Aussagen entstehen oft aus dem Wunsch heraus, zu beruhigen. Eltern möchten ihrem Kind Angst nehmen und sagen dann, dass es früher auch nicht leicht war oder dass solche Situationen zum Großwerden dazugehören. Auch Vergleiche mit eigenen Erfahrungen oder mit anderen Kindern sind häufig. 

Für betroffene Kinder ist das schwer auszuhalten. Ihr individuelles Erleben wird relativiert und verliert an Bedeutung. Was Erwachsene als Ermutigung meinen, kommt beim Kind oft als Abwertung an. Mobbing wird nicht dadurch weniger belastend, dass andere Ähnliches erlebt haben. Im Gegenteil: Kinder fühlen sich dann häufig noch einsamer mit ihren Gefühlen. 

Versprechen machen 

Wenn Kinder sichtbar leiden, wünschen sich Eltern, Sicherheit zu geben. Sie versprechen, dass sich die Situation bald klären wird oder dass bestimmte Gespräche in der Schule alles lösen werden. Diese Zusicherungen entstehen aus Hoffnung und dem Wunsch, Halt zu vermitteln. 

Problematisch wird es, wenn sich die Situation nicht schnell verändert. Kinder oder Jugendliche erleben dann nicht nur weiterhin Belastung, sondern zusätzlich Enttäuschung. Manche trauen sich danach weniger, über ihre Sorgen zu sprechen, weil sie merken, dass Erwachsene die Komplexität der Situation unterschätzt haben. Ehrlicher ist es, Unsicherheiten auszuhalten und keine festen Versprechen zu geben. 

Mutter und Sohn sitzen zusammen auf einem Bett. Der Sohn hat seinen Kopf in seinen Händen vergraben, während die Mutter neben ihm sitzt und eine Hand auf seine Schulter legt.

Hinweis zur Transparenz: Dieses Foto ist KI-generiert.

Mutter und Sohn sitzen zusammen auf dem Bett. Der Sohn schaut betrübt zu Boden, während die Mutter eine Hand auf den Arm des Sohnes legt und versucht, ihn zu trösten.

Hinweis zur Transparenz: Dieses Foto ist KI-generiert.

Belehren 

Belehrende Reaktionen zeigen sich oft, wenn Eltern mit starken Gefühlen konfrontiert sind. Wenn Kinder wütend, hoffnungslos oder sehr negativ über sich selbst sprechen, versuchen Erwachsene manchmal, diese Gedanken zu korrigieren. Sie erklären, dass man so nicht denken dürfe oder dass andere es schließlich auch schwer hätten. 

Für betroffene Kinder und Jugendliche bedeutet das häufig, dass ihre Gefühle keinen Raum haben. Statt gehört zu werden, fühlen sie sich korrigiert. Gerade bei Mobbing brauchen Kinder und Jugendliche die Erfahrung, dass auch schwierige Gedanken ausgesprochen werden dürfen, ohne bewertet zu werden. 

Pauschale Lösungen vorschlagen 

Viele Eltern reagieren handlungsorientiert. Sie schlagen vor, sich mehr abzulenken, andere Freund:innen zu treffen oder einfach wieder mehr am Unterricht teilzunehmen. Diese Vorschläge wirken auf den ersten Blick logisch und lösungsorientiert. 

Für Kinder und Jugendliche, die sich in einer Mobbingsituation gefangen fühlen, greifen solche Ratschläge oft zu kurz. Sie können den Eindruck vermitteln, dass das Problem leicht lösbar wäre, wenn sich das Kind oder die jugendliche Person nur anders verhalten würde. Das verstärkt häufig Schuldgefühle und das Gefühl, nicht verstanden zu werden. 

Probleme lösen wollen 

Eltern sind es gewohnt, für ihre Kinder Lösungen zu finden. Wenn ein Kind oder eine jugendliche Person von Mobbing erzählt, entsteht schnell der Impuls, sofort Maßnahmen zu planen oder Schritte vorzuschlagen. Manchmal geschieht das schon, bevor das Kind alles erzählen konnte. 

Für viele Betroffene ist das überfordernd. Sie erleben ohnehin wenig Kontrolle über die Situation. Wenn Gespräche sofort in Richtung Lösungen gehen, kann das Gefühl entstehen, wieder nicht mitentscheiden zu dürfen. Oft ist es hilfreicher, zunächst beim Erzählen zu bleiben und nichts über den Kopf des Kindes oder jugendlichen Person hinweg festzulegen. 

Mutter und Tochter sitzen zusammen am Tisch. Die Tochter stützt ihren Kopf auf ihre Hand während die Mutter versucht, aufdrängend mit ihr zu reden.

Hinweis zur Transparenz: Dieses Foto ist KI-generiert.

Sich aufdrängen 

Unterstützung kann nur wirksam sein, wenn sie angenommen wird. Manche Eltern merken, dass ihr Kind ausweichend reagiert oder Gespräche vermeidet, und versuchen dann, besonders intensiv nachzufragen oder Hilfe anzubieten. 

Für betroffene Kinder kann das zusätzlichen Druck erzeugen. Viele brauchen Zeit, um Vertrauen zu fassen oder Worte für ihr Erleben zu finden. Wenn Grenzen nicht respektiert werden, ziehen sie sich häufig weiter zurück. 

Floskeln und Durchhalteparolen 

Aussagen, die Hoffnung machen sollen, gehören zu den häufigsten Reaktionen in belastenden Gesprächen. Eltern wollen Mut zusprechen und greifen dabei auf allgemeine Formulierungen zurück, die Trost spenden sollen. 

In akuten Belastungssituationen fühlen sich diese Sätze für betroffene Kinder oft leer an. Sie erleben ihre Situation als konkret und gegenwärtig. Allgemeine Aussagen über das Leben oder die Zukunft können dann eher Distanz schaffen als Nähe. 

Ungeeignete Ratschläge und Maßnahmen 

Immer wieder bekommen wir es mit, dass Eltern gut gemeinte Ratschläge geben, die dem Kind nicht helfen, sondern es zusätzlich verunsichern. Andere Eltern greifen in ihrer Hilflosigkeit oder in der ersten Aufregung schnell zu Mitteln, die das Mobbing nicht beenden, sondern oft sogar verschlimmern. Eine böse Absicht steckt nie dahinter. Schließlich ist Mobbing ein verzwicktes System. Als Elternteil ist es für Dich sehr schwer, es vollständig zu überblicken. Wir zeigen Dir deshalb, was Deine Ratschläge und Maßnahmen in Bezug auf die Mobbingsituation bewirken können: 

Warum diese Don’ts so bedeutsam sind 

Alle beschriebenen Gesprächsfallen entstehen aus guten Motiven. Sie zeigen, wie sehr Eltern sich sorgen und helfen wollen. Gleichzeitig zeigen Erfahrungen aus Beratung und Praxis, dass genau diese Muster dazu führen können, dass Kinder weniger erzählen oder ihre Belastung herunterspielen. 

Im Kontext von Mobbing geht es in Gesprächen weniger um richtige Antworten als um eine tragfähige Beziehung. Kinder brauchen das Gefühl, dass sie ernst genommen werden und dass ihr Tempo respektiert wird. 

Tipps zur Gesprächsführung 

Eltern müssen keine perfekten Gespräche führen. Unsicherheit, Hilflosigkeit und emotionale Reaktionen gehören dazu. Entscheidend ist die Bereitschaft, zuzuhören, Bewertungen zurückzustellen und dem Kind Raum zu geben. 

Wir verraten Dir, wie unterstützende Gespräche stattdessen gestaltet werden können und welche Haltung Kindern Sicherheit vermittelt.

So kannst Du Dein Kind zu Hause sicher begleiten

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