Das Coronavirus verändert Mobbing. Jugendliche verbringen mehr Zeit vor dem Bildschirm.

Wie verändert sich Mobbing durch Corona?

Von heute auf morgen führte die weltweite Corona-Pandemie zur Schließung der Schulen. Der Unterricht fand nicht mehr im Klassenzimmer statt, sondern wich auf digitale Medien aus. Nicht zur Schule gehen zu müssen, stimmte nicht alle Schüler*innen glücklich. Stattdessen sind einige von ihnen Gewalt in den eigenen Familien ausgesetzt oder erleben auf neue Art, wie eine Mobbingsituation fortgesetzt werden kann.


Mehr Zeit vor dem Bildschirm

Unsere Erfahrungen seit der Schließung der Schulen zeigen, dass Schüler*innen den Risiken, die sich online ergeben, vermehrt ausgesetzt sind. Viele Kinder und Jugendliche verbringen durch die Umstellung auf digitales Lernen und den Wegfall von Freizeitaktivitäten einen Großteil ihrer Zeit vor dem Display. Das kann vor allem dann zum Problem werden, wenn Schüler*innen nicht über die Ressourcen, das Wissen und die Kompetenzen verfügen, um Apps wie YouTube, TikTok und Snapchat sicher zu nutzen und sich angemessen vor Risiken zu schützen, die mit den Apps einhergehen können. Auch viele Eltern sind verunsichert darüber, wie sie in dieser besonderen Zeit mit der Mediennutzung ihrer Kinder umgehen sollen. Viele wissen nicht, welche Bedeutung ihre Unterstützung für Kinder und Jugendliche haben kann.

Zahlreiche negative Erlebnisse

Die Folge: Deutlich mehr Jugendliche berichten uns davon, im Netz ungewollt mit schädlichen und Gewalt darstellenden Inhalten konfrontiert zu sein. Besonders verheerend können Situationen werden, in denen sich zuvor bestehende Mobbing-Fälle online fortsetzen. Cybermobbing wird im Gegensatz zu Schikanen auf dem Schulhof meist rund um die Uhr von den Betroffenen erlebt. Während der Corona-Zeit haben uns deutlich mehr Schüler*innen erzählt, von Fremden kontaktiert worden zu sein. Uns zeigten sich zudem besonders drastische Fälle, bei denen es um Erpressung, Cyber-Grooming oder Nacktfotos ging.

Gefahr der Vereinsamung

Schwer sind solche Situationen vor allem deshalb, weil die Schließung der Schulen und das Einschränken sozialer Kontakte ein sehr hohes Risiko der Vereinsamung für jene birgt, die bereits vor der Pandemie wenig soziale Kontakte hatten. Viele Kinder und Jugendliche berichten uns, dass sie kaum mit Gleichaltrigen schreiben. Einigen bleiben allein soziale Medien wie Instagram, um über die Aktivitäten ihrer Mitschüler*innen auf dem Laufenden zu bleiben. Darüber hinaus fehlt Kindern und Jugendlichen oft die Unterstützung, die sie offline bekämen. Für die meisten Schüler*innen wurde es beispielsweise deutlich schwieriger, sich mit Problemen an eine erwachsene Vertrauensperson außerhalb der Familie zu wenden. Ihnen fehlt damit eine erhebliche Stütze beim Umgang mit Situationen, die sie selbst als schwierig oder verletzend erleben.

Aufklärung über Verhalten im Netz

Die Corona-Zeit hat gezeigt, dass es hinsichtlich der Medienkompetenz und des digitalen Miteinanders viel Optimierungsbedarf gibt. Die Vorbereitung von Kindern und Jugendlichen auf die kompetente Nutzung digitaler Medien kann nur gesamtgesellschaftlich erfolgen. Es gehört im ersten Schritt dazu, sowohl Kinder und Jugendliche als auch deren Eltern verstärkt zum sicheren Verhalten im Internet aufzuklären. Gleichsam sollten entsprechende Anlaufstellen ausgebaut und bekannter gemacht werden. Auch die Anbieter digitaler Plattformen müssen dafür Sorge tragen, dass Kinder und Jugendliche besser vor schädlichen und rechtswidrigen Inhalten und Übergriffen geschützt werden.

Die Rolle von Schulen und Eltern

Schulen müssen im Rahmen des digitalen Lernens Regeln und Konzepte erarbeiten, die ein gutes soziales Miteinander auch online ermöglichen. Trotz der fehlenden Schulpräsenz zeigte sich, wie wertvoll für Schüler*innen der Zugang zu schulischen Beratungsstellen sein kann. Auch Eltern sind aufgerufen, ihre Kinder beim Erlernen der sicheren Nutzung des Internets zu unterstützen. Sie sollten ihre Vorbildrolle erkennen und ausfüllen. Auch sind sie ein wesentlicher Schlüssel für das Erkennen von Anzeichen, die auf Probleme deuten können. Dazu zählen z. B. Anzeichen von Stress, Angst oder Niedergeschlagenheit im Kontext der Internet-Nutzung. In diesen Fällen ist es wichtig, das Wahrgenommene ernst zu nehmen, als Elternteil aktiv zu werden und sich bei Bedarf Hilfe zu suchen.

Potenzial von Vereinen

Uns ist es wichtig, ansprechbar und präsent zu bleiben. Als Verein haben wir deshalb schnell und unbürokratisch reagiert, indem wir neue Online-Formate für Schüler*innen und Eltern eingeführt haben. Dazu zählen z. B. Livestreams und Sprechstunden auf Instagram, Twitch und Facebook. Die Themen werden von Kindern und Jugendlichen mitbestimmt oder ergeben sich aus dem engen Austausch, in dem wir mit ihnen stehen. Das ermöglicht uns, auf dem Laufenden zu bleiben und bei der Rückkehr unserer Präventionsprojekte in die Schulen auf die zwischenzeitlichen Entwicklungen eingehen zu können.

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